Kindergarten Schillerstraße e.V. Göttingen

Pädagogisches Konzept

Unser Kindergarten ist mit insgesamt nur 25 Kindern und zwei kleinen Gruppenräumen eine sehr überschaubare Einrichtung. Der seit der Betriebserlaubnis von 1979 auf die bauliche Struktur abgestimmte Betreuungsschlüssel (jeder Raum musste doppelt besetzt sein) von vier Erziehern auf 25 Kinder (1:6,25) war für Kinder, Erzieher und Eltern unseres Kindergartens ein Glücksfall, lag er doch deutlich über der üblichen Fachkraft-Kind-Relation von 1:12,5.

Die Tatsache, dass unser in seiner übersichtlichen Gesamtstruktur wahrhaft kindgerechte Kindergarten auch mit der neuen Betriebserlaubnis von 2015 (3 Erzieher) ein nahezu ideales Erzieher-Kind-Verhältnis vorweist, das uns auf Vorlieben, Wünsche, Hoffnungen, Sorgen, Ängste und Gefühle der Kinder ganz individuell eingehen lässt, hat uns Erzieher dazu ermutigt, den pädagogischen Schwerpunkt unserer Arbeit auf die unserer Meinung nach ohnehin ureigenste Aufgabe jedes Kindergartens zu richten: den Aufbau einer familiären Bindung zwischen Kind und Erzieher und zwischen den Kindern untereinander (ebenso zwischen den Erziehern und zwischen Eltern und Erziehern).

Vertrauen ist nach unserer Überzeugung das A und O, das Fundament für eine glückliche Kindheit und der Schlüssel zur erfolgreichen Entwicklung hin zum mündigen Bürger.

Vertrauen schafft Sicherheit und Sicherheit ist die Voraussetzung für den gelingenden Aufbau ungestörter, gesunder Bindungen, sowohl zwischenmenschlicher, materieller als auch intellektueller Art. Die Neugier auf Neues, die Aufgeschlossenheit Fremdem gegenüber, die Lust auf eine (z.B. kreativ-phantastische) Auseinandersetzung mit der Umwelt (etwa mit etwas Abstraktem wie Zahlen und Wörtern) kann nur bewahren und ausbauen, wer sich sicher ist, wer sich (ver)traut, also wer Vertrauen erfahren hat (Stichwort „Urvertrauen“) und vertrauen kann.

Unsere Kinder sollen Kind sein dürfen, sie sollen in unserem Kindergarten weder „funktionieren“, noch eine „heile Welt“ erleben, sie sollen „Quatsch machen“ dürfen (und dann die entsprechenden Reaktionen und Konsequenzen der Mitmenschen erfahren; Stichwort „soziale Kompetenz“) – sie sollen aber vor allem uns vertrauen können und wissen: ich werde von meinen Kindergärtnern bedingungslos geliebt und darf Fehler machen!

Wir Erzieher im Kindergarten Schillerstraße sehen unsere Aufgabe nicht darin, unsere Kinder mit schulischen Mitteln so früh wie möglich mit so viel Wissen wie möglich auszustatten, nur damit elterliche Hoffnungen auf eine spätere Karriere des Kindes im Berufsleben früh Nahrung und wir eventuell mehr Anerkennung bekommen. Nein, wir setzen bewusst auf den Alltag, als den unserer Meinung nach besten Lehrmeister, und glauben an die intrinsische Kraft von Mensch (also Kind) und Natur. Unsere Angebote „Vorschule“ und „Sprachförderung“ sind daher als kindgerechte Vorbereitung auf die (leider nicht mehr zeitgemäße und Kreativität vernichtende) Institution (Regel)Schule zu verstehen, sie dürfen jedoch nicht als ihre Erweiterung in den Kindergartenbereich begriffen werden.

Wir Erzieher begreifen uns als Vorbilder für die Kinder und leben in unserem Arbeitsalltag danach. Ein harmonisches Miteinander zwischen uns Erziehern ist uns deshalb sehr wichtig (die Tatsache, dass es in unserer Einrichtung keinen „Mitarbeiterraum“ o.ä. gibt, in dem man sich zurückziehen kann, erhöht die Dringlichkeit dieses Aspekts von Teamfähigkeit), deshalb respektieren wir unsere ganz individuellen Herangehensweisen der Kindserziehung im Sinne unseres gemeinsamen Konzeptes.

Wir spielen weder den Kindern, den Eltern, noch den Kollegen etwas vor. Wir bleiben authentisch. Wir zeigen (stolz) unsere Fähigkeiten, machen und bekennen unsere Fehler, sprechen offen über unsere Empfindungen und Sorgen, wir trauern und weinen und trösten und nehmen in den Arm, albern und lachen. Wir loben und kritisieren. Wir sagen ehrlich, was uns ge- oder missfällt. Wir wollen eben (be)greifbar sein - wohlwissend, dass wir uns damit angreifbar machen.

Der Kindergartenalltag hat uns und die Kinder zum Wohle und zur Stärkung der Gemeinschaft zur Aufstellung einiger Regeln veranlasst, auf deren Einhaltung Erzieher und Kinder gleichermaßen achten:

Wir verzichten auf jede Form von Gewalt; wir beschämen nicht und wir bestrafen nicht (wir legen manchen Kindern ab und an nahe, sich – zum Wohle der Gemeinschaft und zur eigenen ungestörten Selbstwahrnehmung – auf einer Bank in Flur oder Mittelzimmer eine kurze Auszeit zu gönnen; auch uns Erziehern wird uns die von Zeit zu Zeit vergönnt).

Es wird nicht getreten, geschlagen, gekratzt, gebissen, geschubst, gespuckt und an den Haaren gezogen. Es wird kein Bein gestellt, kein Kind gehänselt oder ausgelacht und keiner Kreatur ein Haar gekrümmt. Jeder Streit wird mit fairen Mitteln ausgetragen und zeitnah (noch vor dem Auseinandergehen) geklärt und das Vertragen/Entschuldigen mit Handschlag und Sich-in-die-Augen-Sehen besiegelt.

Es gibt weder unter den Kindern noch unter den Erziehern im Kindergartenalltag eine geschlechtsspezifische Rollendifferenzierung; jeder übernimmt in Rotation sämtliche anstehenden Aufgaben (Küche, Wickeln, Fußballspielen etc.).

Darüber hinaus haben wir Erzieher im Team für unseren Kindergarten prägnante Sätze erarbeitet, die uns - gut sichtbar an Wänden und über Türen unserer Einrichtung angebracht – (beg)leiten sollen:

 

 

Weil ich mich als Mensch

angenommen und wertgeschätzt

fühle,

fällt es mir leicht

zu lernen

und mich zu entfalten.

 

 

 

 

Das Leben ist Lernen

jeden Tag

gerade

nebenbei.

 

 

Fehler zuzulassen

ermöglicht die Chance

daran

zu wachsen.

 

 

Ich bin ein Mensch

also

mache ich Fehler!

 

 

Ich denke an meine Kollegen.

Und an mich.

 

 

Struktur

schafft

Orientierung und Sicherheit

(SOS).

 

 

Chaos

macht

uns

kreativ!

 

 

Natur ist unser Abenteuer

-

Abenteuer ist unsere Natur.

 

 

Diese Konzeption ist als Momentaufnahme unserer strukturellen und pädagogischen Arbeit zu verstehen. Wir befinden uns in unserem Leben und in unserer Arbeit und in ihrer Schwerpunktsetzung in einem stetigen Fluss; Veränderungen im Sinne einer Qualitätsentwicklung sind daher selbstverständlich und werden vom Kindergarten Schillerstraße e.V. durch eine regelmäßige Teilnahme an qualitätsfördernden Fortbildungen, Schulungen und Workshops seiner Angestellten gewährleistet.

Nur wer sich ändert, bleibt sich treu.

 

 

 

Göttingen, 01.02.2016